Schwarze Mander

5/5 - (1 vote)

Die Schwarzen Mander in Innsbruck

Die „Schwarzen Mander“ in der Innsbrucker Hofkirche sind eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Es handelt sich um ein monumentales Grabmal für Kaiser Maximilian I., das eine kuriose Besonderheit hat: Es ist leer. Der Kaiser ist nämlich nicht hier, sondern in Wiener Neustadt begraben. Dennoch ist das Ensemble aus 28 überlebensgroßen Bronzestatuen ein weltweit einzigartiges Zeugnis der Renaissance-Kunst.

Die Vision eines Kaisers: Ein Grabmal für die Ewigkeit

Kaiser Maximilian I. war ein Meister der Selbstdarstellung. Schon zu Lebzeiten plante er sein Grabmal als ein gigantisches Denkmal, das seine Ahnen und Vorbilder vereinen sollte. Seine Vision war es, von einem „Geleit“ aus 40 überlebensgroßen Bronzefiguren umringt zu sein, die seine Abstammung und die Größe des Hauses Habsburg repräsentieren. Letztlich wurden 28 dieser Figuren fertiggestellt. Dass sie heute Schwarze Mander genannt werden, liegt an der dunklen Patina der Bronze, die über die Jahrhunderte entstanden ist. Kurioserweise sind unter den „Mandern“ (Tirolerisch für Männer) auch acht Frauen vertreten, was den Namen eigentlich faktisch falsch, aber historisch charmant macht.

Schwarze Mander - die keine Männer, sondern Frauen sind
Schwarze Mander – die keine Männer, sondern Frauen sind

Wer sind die Schwarzen Mander?

Die 28 Figuren sind eine Mischung aus realen Vorfahren, Sagengestalten und historischen Helden. Sie stehen in zwei Reihen links und rechts des Kenotaphs (des leeren Prunkgrabes) im Hauptschiff der Kirche. Zu den prominentesten Statuen gehören:

  • König Artus: Diese Figur gilt als die künstlerisch wertvollste. Sie wurde von Peter Vischer dem Älteren in Nürnberg nach einem Entwurf von Albrecht Dürer gegossen. Die elegante Rüstung und die lässige Pose machen sie zu einem Meisterwerk der Renaissance.
  • Theoderich der Große: Ebenfalls aus der Vischer-Werkstatt in Nürnberg stammend, bildet er das Gegenstück zu Artus.
  • Maria von Burgund: Maximilians erste große Liebe und Ehefrau. Ihr Erbe (die Niederlande) legte den Grundstein für den Weltruhm der Habsburger.
  • Rudolf von Habsburg: Der Stammvater des Hauses Habsburg, der im 13. Jahrhundert den Aufstieg der Dynastie einleitete.
  • Chlodwig I.: Der Frankenkönig steht als Symbol für die tiefen historischen Wurzeln der christlichen Herrscherhäuser Europas. Er war die letzte Figur, die 1550 im Schloss Büchsenhausen gegossen wurde.
Schwarze Mander am Grabmal Kaiser Maximilians
Schwarze Mander am Grabmal Kaiser Maximilians

Eine technische Meisterleistung der Gießkunst

Die Herstellung dieser tonnenschweren Bronzen war eine logistische und technische Herausforderung, die über 80 Jahre in Anspruch nahm. Das Projekt begann bereits 1502 und wurde erst 1584 unter Maximilians Enkel, Ferdinand II., vollendet. Das Kupfer für die Statuen stammte größtenteils aus den Silber- und Kupferbergwerken in Schwaz, was Tirol zum idealen Produktionsstandort machte. Die Gießereien in Mühlau und später im Schloss Büchsenhausen arbeiteten Jahrzehnte an der Verfeinerung der Gusstechnik. Besonders beeindruckend ist der Detailreichtum der Rüstungen und Kleider: Man kann fast jede Falte im Stoff und jedes Glied der Kettenhemden erkennen, was zeigt, auf welch hohem Niveau die Tiroler Gießer damals arbeiteten.

Das leere Grab und das „Grabmal-Hopping“

Die wohl skurrilste Geschichte hinter den Schwarzen Mandern ist, dass sie fast nie in Innsbruck gelandet wären. Maximilian wollte in der Wiener Neustädter Burgkapelle begraben werden. Da die Kapelle dort aber statisch nicht für das immense Gewicht der 28 Bronzestatuen ausgelegt war, weigerten sich die dortigen Verantwortlichen, das Denkmal aufzustellen. Die Statuen lagerten daraufhin jahrelang in verschiedenen Depots, unter anderem in der Burg Hasegg in Hall, bevor sein Enkel Ferdinand I. entschied, eigens für das Grabmal die Hofkirche in Innsbruck zu bauen. So kam es, dass Maximilian in Wiener Neustadt unter den Altarstufen begraben liegt, während sein prachtvollstes Denkmal in Tirol steht.

Die Schwarzmanderkirche

In der Mitte der Kirche thront das prunkvolle Kenotaph aus schwarzem Marmor, auf dem der Kaiser kniend im Gebet dargestellt ist. Die 24 Marmorreliefs an den Seiten des Grabes erzählen die wichtigsten Stationen aus dem Leben Maximilians – von seinen Schlachten bis zu seinen Hochzeiten. Heute ist die Hofkirche, die auch als Schwarzmanderkirche bekannt ist, ein Teil der Tiroler Landesmuseen. Besucher aus aller Welt kommen hierher, um in der Stille der Kirche zwischen den bronzenen Riesen zu wandeln. In der Hofkirche gibt es noch ein berühmtes Grab und weitere Sehenswürdigkeiten:
–> alle Infos und Details zur Hofkirche Innsbruck

Schwarze Mander besuchen

Info
ÖffnungszeitenMo–Sa: 09:00 – 17:00 Uhr / So & Feiertag: 12:30 – 17:00 Uhr
Einzelticket9,00 € (Erwachsene)
Kombiticket14,00 € (inkl. Volkskunstmuseum, Ferdinandeum, Zeughaus & Tirol Panorama)
Kinder/JugendUnter 19 Jahren freier Eintritt
FotografierenErlaubt (privat, ohne Blitz)

Weiterführende Links

Schwarze Mander Fragen & Antworten

Warum heißen sie eigentlich „Schwarze Mander“?

Der Name stammt aus dem Tiroler Volksmund („Mander“ = Männer). „Schwarz“ bezieht sich auf die dunkle Patina der Bronze, die über die Jahrhunderte entstanden ist. Ursprünglich glänzten die Statuen metallisch-hell.

Sind das wirklich alles Männer?

Nein! Das ist der wohl bekannteste Irrtum. Unter den 28 Figuren befinden sich 8 Frauen. Dazu gehören unter anderem Maximilians Ehefrauen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza sowie seine Tochter Margarete.

Wer sind die Schwarzen Mander in Innsbruck?

Der Großteil der Figuren stellt Herrscher dar, die entweder direkt mit Maximilian verwandt waren oder die er als ideelle Vorfahren für sein Kaisertum beanspruchte.
König Artus von England: Die wohl berühmteste Statue. Er galt als das Ideal des christlichen Ritters.
Theoderich der Große: Der Gotenkönig, der wie Artus als Symbol für heldenhaftes Herrschertum steht.
Rudolf von Habsburg: Der erste Habsburger auf dem deutschen Königsthron und Stammvater der Dynastie.
Friedrich III.: Maximilians Vater, der das Reich durch eine geschickte Heiratspolitik vergrößerte.
Philipp der Schöne: Maximilians Sohn, dessen Ehe mit der spanischen Erbin das Weltreich begründete.
Chlodwig I.: Der Frankenkönig, der die christliche Tradition der europäischen Herrscher symbolisiert.
Karl der Kühne: Herzog von Burgund und Maximilians Schwiegervater (Vater von Maria von Burgund).
Ferdinand der Katholische: König von Aragon und ebenfalls ein Schwiegervater Maximilians.
Albrecht I. und Albrecht II.: Frühe Habsburger-Könige.
Erzherzog Ernst der Eiserne: Der Großvater Maximilians.
Sigismund der Münzreiche: Der Tiroler Landesfürst, der Maximilian das Land übergab.
Friedrich mit der leeren Tasche: Ein bei den Tirolern sehr beliebter Vorfahre.
Leopold III. (der Heilige): Der Schutzpatron von Österreich.
Rudolf IV. (der Stifter): Ein bedeutender Habsburger, der unter anderem die Universität Wien gründete.
Weitere Familienmitglieder: Darunter Albrecht IV. von Habsburg, Herzog Albrecht der Weise (von Bayern), Graf Albrecht von Habsburg, Erzherzog Ferdinand von Portugal und Philipp I. (der Großmütige).

Wer sind die Frauen unter den Schwarzen Mandern?

Diese Frauen spielten eine entscheidende Rolle für den Machtanspruch und die Erbfolge des Hauses Habsburg und sind unter den Schwarzen Mandern.
Maria von Burgund: Maximilians erste Ehefrau und seine große Liebe. Durch sie kamen die reichen Niederlande zu Habsburg.
Bianca Maria Sforza: Die zweite Ehefrau Maximilians aus Mailand, die eine riesige Mitgift in die kaiserliche Kasse brachte.
Margarete von Österreich: Die Tochter Maximilians, eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit und Statthalterin der Niederlande.
Johanna die Wahnsinnige: Die Schwiegertochter Maximilians (Ehefrau von Philipp dem Schönen) und Erbin von Spanien.
Cymburgis von Masowien: Die Mutter von Kaiser Friedrich III. – ihr wurde nachgesagt, sie könne Hufeisen mit bloßen Händen verbiegen.
Kunigunde von Österreich: Die Schwester Maximilians.
Elisabeth von Luxemburg: Die Ehefrau von Albrecht II. und Mutter von Ladislaus Postumus.
Maria von Ungarn: Eine Enkelin Maximilians, die später ebenfalls eine bedeutende politische Rolle spielte.

KLICK hier - Diese Tipps merken & deinen Freunden empfehlen: