Schwarze Mander

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Die Schwarzen Mander in Innsbruck

Die „Schwarzen Mander“ in der Innsbrucker Hofkirche sind eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Es ist das Grabmal für Kaiser Maximilian I. Das Ensemble aus 28 überlebensgroßen Bronzestatuen ein weltweit einzigartiges Zeugnis der Renaissance-Kunst.

Wenn du die Innsbrucker Hofkirche betrittst, triffst du auf eine der skurrilsten und gleichzeitig beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Europas: die Schwarzen Mander. In der Mitte der Kirche steht dieses Grabmal für Kaiser Maximilian I., das eine Besonderheit hat: Es ist komplett leer. Der Kaiser selbst liegt nämlich in Wiener Neustadt begraben. Trotzdem ist dieses Ensemble aus 28 bronzenen Riesen ein absolutes Must-see, weil es die Macht und den Größenwahn der Renaissance perfekt einfängt.

Die Vision eines Kaisers: Ein Denkmal für die Ewigkeit

Kaiser Maximilian I. war ein absoluter Profi in Sachen Selbstdarstellung. Er wollte nicht einfach nur ein Grab, er wollte ein gigantisches „Geleit“ aus 40 überlebensgroßen Bronzestatuen, die seine Ahnen, Helden und Vorbilder darstellen sollten. Am Ende wurden „nur“ 28 fertiggestellt. Dass wir sie heute Schwarze Mander (Tirolerisch für „schwarze Männer“) nennen, liegt an der dunklen Schicht (Patina), die das Metall über die Jahrhunderte angesetzt hat. Der Witz an der Sache: Unter den „Mandern“ verstecken sich eigentlich auch acht Frauen. Der Name ist also faktisch falsch, hat sich aber so eingebürgert, dass die Kirche heute im Volksmund schlicht „Schwarzmanderkirche“ heißt.

Schwarze Mander - die keine Männer, sondern Frauen sind
Schwarze Mander – die keine Männer, sondern Frauen sind

Wer sind die Schwarzen Mander?

Die 28 Figuren sind eine bunte Truppe aus echten Verwandten des Kaisers, Sagengestalten und historischen Helden. Sie stehen in zwei Reihen links und rechts des prunkvollen, leeren Grabes. Wenn du durch die Reihen gehst, solltest du auf diese Statuen besonders achten:

  • König Artus: Er gilt als das Prunkstück der Sammlung. Entworfen wurde er von keinem Geringeren als Albrecht Dürer. Schau dir mal seine lässige Pose und die extrem detaillierte Rüstung an – das ist absolute Weltklasse-Kunst der Renaissance.
  • Theoderich der Große: Er steht gegenüber von Artus und ist ebenfalls ein Meisterwerk aus der Nürnberger Werkstatt von Peter Vischer.
  • Maria von Burgund: Sie war Maximilians erste große Liebe und Ehefrau. Ihr Erbe machte die Habsburger erst so richtig mächtig.
  • Chlodwig I.: Der Frankenkönig ist ein echtes „Lokalprodukt“. Er war die letzte Figur, die 1550 direkt in der Gießerei in Schloss Büchsenhausen gegossen wurde.
Schwarze Mander am Grabmal Kaiser Maximilians
Schwarze Mander am Grabmal Kaiser Maximilians

Eine technische Meisterleistung der Gießkunst

Stell dir vor, diese Statuen wiegen teilweise bis zu zwei Tonnen – und das pro Stück! Die Herstellung war eine technische Wahnsinnsleistung, die über 80 Jahre gedauert hat. Das Kupfer dafür kam meist aus den Bergwerken in Schwaz, was Tirol zum perfekten Standort für dieses Projekt machte. Die Gießer haben unter anderem im Schloss Büchsenhausen Details ausgearbeitet, die man heute kaum für möglich hält: Man erkennt kleinste Falten im Stoff, die Struktur der Kettenhemden und sogar die Gesichtszüge sind extrem individuell. Das war damals quasi die „High-End-Technologie“ der Metallverarbeitung.

Das leere Grab und das „Grabmal-Hopping“

Die skurrilste Story ist aber, wie die Statuen überhaupt nach Innsbruck kamen. Maximilian wollte eigentlich in seiner Geburtsstadt Wiener Neustadt begraben werden. Als man dort aber sah, wie schwer die Statuen sind, bekamen die Verantwortlichen Panik um die Statik der Kapelle und weigerten sich, das Denkmal aufzustellen. Die Bronzeriesen lagerten daraufhin jahrelang in Depots, unter anderem in der Burg Hasegg in Hall. Erst Maximilians Enkel, Ferdinand I., entschied: „Wir bauen einfach eine eigene Kirche für das Grabmal!“ So entstand die Hofkirche in Innsbruck. Maximilian liegt also bis heute schlicht unter den Altarstufen in Wiener Neustadt, während seine „Ehrengarde“ in Innsbruck die Stellung hält.

Die Schwarzmanderkirche heute

In der Mitte der Kirche thront heute das leere Grabmal aus schwarzem Marmor. Oben drauf kniet der Kaiser im Gebet. Rundherum findest du 24 Marmorreliefs, die wie ein Comic die wichtigsten Siege und Hochzeiten Maximilians erzählen. Heute ist die Hofkirche Teil der Tiroler Landesmuseen und ein Ort, der einen wirklich ehrfürchtig werden lässt, wenn man zwischen diesen schweren, dunklen Gestalten hindurchwandert. Neben den Mandern gibt es dort noch das Grab des Freiheitskämpfers Andreas Hofer und die wunderschöne Silberne Kapelle.
–> alle Infos und Details zur Hofkirche Innsbruck

Schwarze Mander besuchen

Info
ÖffnungszeitenMo–Sa: 09:00 – 17:00 Uhr / So & Feiertag: 12:30 – 17:00 Uhr
Einzelticket9,00 € (Erwachsene)
Kombiticket14,00 € (inkl. Volkskunstmuseum, Ferdinandeum, Zeughaus & Tirol Panorama)
Kinder/JugendUnter 19 Jahren freier Eintritt
FotografierenErlaubt (privat, ohne Blitz)

Weiterführende Links

Schwarze Mander Fragen & Antworten

Warum heißen sie eigentlich „Schwarze Mander“?

Der Name stammt aus dem Tiroler Volksmund („Mander“ = Männer). „Schwarz“ bezieht sich auf die dunkle Patina der Bronze, die über die Jahrhunderte entstanden ist. Ursprünglich glänzten die Statuen metallisch-hell.

Sind das wirklich alles Männer?

Nein! Das ist der wohl bekannteste Irrtum. Unter den 28 Figuren befinden sich 8 Frauen. Dazu gehören unter anderem Maximilians Ehefrauen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza sowie seine Tochter Margarete.

Wer sind die Schwarzen Mander in Innsbruck?

Der Großteil der Figuren stellt Herrscher dar, die entweder direkt mit Maximilian verwandt waren oder die er als ideelle Vorfahren für sein Kaisertum beanspruchte.
König Artus von England: Die wohl berühmteste Statue. Er galt als das Ideal des christlichen Ritters.
Theoderich der Große: Der Gotenkönig, der wie Artus als Symbol für heldenhaftes Herrschertum steht.
Rudolf von Habsburg: Der erste Habsburger auf dem deutschen Königsthron und Stammvater der Dynastie.
Friedrich III.: Maximilians Vater, der das Reich durch eine geschickte Heiratspolitik vergrößerte.
Philipp der Schöne: Maximilians Sohn, dessen Ehe mit der spanischen Erbin das Weltreich begründete.
Chlodwig I.: Der Frankenkönig, der die christliche Tradition der europäischen Herrscher symbolisiert.
Karl der Kühne: Herzog von Burgund und Maximilians Schwiegervater (Vater von Maria von Burgund).
Ferdinand der Katholische: König von Aragon und ebenfalls ein Schwiegervater Maximilians.
Albrecht I. und Albrecht II.: Frühe Habsburger-Könige.
Erzherzog Ernst der Eiserne: Der Großvater Maximilians.
Sigismund der Münzreiche: Der Tiroler Landesfürst, der Maximilian das Land übergab.
Friedrich mit der leeren Tasche: Ein bei den Tirolern sehr beliebter Vorfahre.
Leopold III. (der Heilige): Der Schutzpatron von Österreich.
Rudolf IV. (der Stifter): Ein bedeutender Habsburger, der unter anderem die Universität Wien gründete.
Weitere Familienmitglieder: Darunter Albrecht IV. von Habsburg, Herzog Albrecht der Weise (von Bayern), Graf Albrecht von Habsburg, Erzherzog Ferdinand von Portugal und Philipp I. (der Großmütige).

Wer sind die Frauen unter den Schwarzen Mandern?

Diese Frauen spielten eine entscheidende Rolle für den Machtanspruch und die Erbfolge des Hauses Habsburg und sind unter den Schwarzen Mandern.
Maria von Burgund: Maximilians erste Ehefrau und seine große Liebe. Durch sie kamen die reichen Niederlande zu Habsburg.
Bianca Maria Sforza: Die zweite Ehefrau Maximilians aus Mailand, die eine riesige Mitgift in die kaiserliche Kasse brachte.
Margarete von Österreich: Die Tochter Maximilians, eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit und Statthalterin der Niederlande.
Johanna die Wahnsinnige: Die Schwiegertochter Maximilians (Ehefrau von Philipp dem Schönen) und Erbin von Spanien.
Cymburgis von Masowien: Die Mutter von Kaiser Friedrich III. – ihr wurde nachgesagt, sie könne Hufeisen mit bloßen Händen verbiegen.
Kunigunde von Österreich: Die Schwester Maximilians.
Elisabeth von Luxemburg: Die Ehefrau von Albrecht II. und Mutter von Ladislaus Postumus.
Maria von Ungarn: Eine Enkelin Maximilians, die später ebenfalls eine bedeutende politische Rolle spielte.

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